Donnerstag, 4. Oktober 2018



Zweibad-Negativentwicklung


Die Zweibad-Entwicklung ist leichter, als gedacht. Die Badzusammensetzung zählt zu den einfachsten überhaupt.

Unbekannter Film? Alter Film? Temperaturschwankungen? Unterschiedliche Filme gleichzeitig entwickeln? Hohe Kontraste? Pushen ohne Ansteilen?
Das alles ist für Zweibad kein Problem. 


Ich werde aber hier zunächst etwas ausführlicher ausholen, da es dem Verständnis dienen soll. Den Sinn der Zweibadentwicklung versteht man erst, wenn man die Grundzüge der Einbadentwicklung verstanden hat....

Was kann Einbad?

Sicher kennt mancher die Weisheit: "Belichte auf die Schatten und entwickle auf die Lichter"Dieser Spruch stammt aus der Fineart- und Landschaftsfotografie mit Großformatkameras (u.a. Ansel Adams), wo man bei einer vorab ermittelten Filmempfindlichkeit die Belichtung in Zone I mit einer Dichte logD ~ 0,12 belegte, beziehungsweise dort fixierte. Die Kontraststeuerung wurde über die Entwicklungszeit vorgenommen. Bei den damaligen Entwicklern konnte man davon ausgehen, dass sich mit einer verlängerten Entwicklungszeit die Dichte bei Zone I kaum änderte.


Die Nachteile dieser Methode sind:

  • Spätestens mit dem breiten Einzug von Phenidon in Entwicklerrezepturen nimmt auch die Dichte in Zone I merklich zu, wenn man die Entwicklungszeit verlängert. 
  • Es kommt zu einer Zonenverschiebung bei höheren Zonen. Das ist für Landschaftsfotografie vernachlässigbar aber bei Portraits verschieben sich beispielsweise Hauttöne (üblicherweise Zone V-VI) und zwar je nachdem, ob ich eine Tonwertexpansion (N+ Entwicklungsverlängerung) oder -kompression (N- Entwicklungsverkürzung) vornehme, in niedrigere oder höhere Zonen. 
Aus diesem Grund hat sich eine andere Methode etabliert:
Die Schnappschussmethode.

Sämtliche moderne Film- und Entwicklerdaten sind darauf hin ausgelegt. Zone V bleibt konstant und man nimmt die Kontrastanpassung durch Unterbelichtung/Überentwicklung (N-/N+ = Push) oder Überbelichtung /Unterentwicklung (N+/N- = Pull) vor. Push geht in einem Einbadentwickler mit einem Ansteilen und Pull mit einem Abflachen der Dichtekurve einher.
Im Gegensatz zur klassischen Methode verändere ich also die ISO und die Entwicklungszeit. Das hat zudem den Vorteil, dass ich bei trübem Wetter (wenig Kontrastumfang) quasi automatisch mit der höheren Empfindlichkeit auch eine Tonwertspreizung bekomme und umgekehrt.
Leider hat sich eingebürgert, dass man pusht um des Pushens willen. Dabei wurde vergessen, dass ich in erster Linie eine Anpassung an den Szenenkontrast über die Entwicklung vornehme und nur deshalb die ISO auch verändere, um Zone V konstant zu halten!


Im Prinzip sollte man diese Methode mit der Einbadentwicklung immer verwenden, nachdem man vorher den Kontrastumfang bestimmt hat. Oft wird Helligkeit mit Kontrastumfang verwechselt. Beispielsweise in einer nächtlichen Szene wie hier hat man einen hohen Kontrastumfang (Punktuelle Beleuchtung - schwarze Nacht), was bedeutet, ich muss die Tonwerte komprimieren -> Pull!
Oft wird hier gepusht (es ist ja dunkel!), was aber falsch ist.

Dunkel aber hoher Kontrastumfang!Trotz nächtlicher Szene Pull (Tonwertkompression), nicht Push!
Entwicklung im Einbad. Hier Tmax 100 @ISO 25 in 510-Pyro

Es kann auch der umgekehrte Fall eintreten. High Noon, gleißende Sonne aber wenig Kontrastumfang - in diesem Fall nur zwei Blenden, deshalb Tonwertspreizung -> Push!
Um also den Tonwertumfang des Films voll zu nutzen (5-6 Blenden gezeichnet), muss man N+2 pushen (pro N 2 Blenden Tonwertexpansion).

Mittagszeit, sehr hell, aber niedriger Kontrastumfang! Trotz sonniger Szene Push (Tonwertexpansion), nicht Pull!
Entwicklung im Einbad. Hier APX 100 @ISO 320 in 510-Pyro
Die Messung des Kontrastumfangs ist deshalb immer wichtig. Danach entscheide ich, ob ich pushe oder pulle. Jedes N+/- push/pull gibt mir 2 Blenden mehr an Tonwertspreizung / -kompression.
Wie man an folgender Darstellung für eine N-Belichtung sieht, erhält man gut gezeichnete Bereiche in den Schatten und Lichtern im Bereich von +/- 2 bis 2 1/2 Blenden um den Messwert. Wenn der gemessene Kontrastumfang höher ist, sollte ich pullen (Kompression), wenn er niedriger ist, pushen (Expansion).
 


Warum nun diese lange Vorrede? Zweibad ist grundsätzlich nur geeignet für Normalkontrast oder hohe Kontraste, wo man Lichter deckeln möchte.

Bei niedrigen Kontrasten (verhangender Himmel, Innenaufnahmen,...) ist hingegen Einbadentwicklung und Push zur Tonwertexpansion die Methode der Wahl!
Mit Zweibad bekommt man ausgeglichene Negative aber kein (kaum) ein Ansteilen, falls dies erforderlich oder gewünscht ist.

Dass die Dichtekurve bei Push nicht oder kaum ansteilt, ist allerdings ein Umstand den wir uns weiter unten aber zunutze machen, denn es gibt ja oft Szenen mit Normalkontrast oder höherem Kontrast, wo ich trotzdem gerne eine höhere ISO einsetzen möchte (z.B. APX 100 @ ISO 1250+), ohne dass die Dichtekurve merklich ansteilt oder ich Verluste in Lichtern und Schatten in Kauf nehmen möchte. Beispiele gibt es reichlich, von der Sportfotografie bis zu Aufnahmen in dunkeln Kirchen mit hellen Fenstern.


Was kann Zweibad besser?

Ich hatte ja schon früher über einen Zweibad-Entwickler der Fa. Spürsinn berichtet. Leider gibt es diese Firma nicht mehr und damit auch den Entwickler nicht. Damit war es möglich im Bereich von über N-5 Pull bis N+5 Push zu belichten/entwickeln ohne merkliches Abflachen oder Ansteilen der Dichtekurve bei relativ feinem Korn.
Ilford HP5+ oder Bergger Pancro 400 @ ISO 25.600 war damit problemlos möglich. Einen kurzen Ausflug dazu mit Bitte um Rückkehr gibt es hier.

Meines Wissens nach war das einer der wenigen erhältlichen Zweibadentwickler auf dem deutschen Markt. Mir derzeit bekannt sind noch MZB (Moersch Zweibad) und Diafine (u.a. von Fotoimpex vertrieben). Diese sind allerdings recht teuer, obwohl man Zweibad-Entwickler mit wenigen Komponenten selbst herstellen kann und die Entwicklung ca. 30 Cent kostet.

Im angelsächsischen Raum sind Zweibadentwickler weitaus verbreiteter. Basierend auf dem Zweibad von Stöckler hatte der Brite Barry Thornton seinen Zweibadentwickler (den wir im weiteren BTTB = Barry Thornton Two Bath nennen) entwickelt, um ihn an moderne Emulsionen anzupassen und um die Kornfeinheit und Schärfe von dem Ilford Perceptol Entwickler zu erreichen. Barry Thornton war ein Schärfe-Fanatiker.

Die Arbeitsweise von Zweibad unterscheidet sich vom Einbad dahingehend, dass ich die Entwicklerkomponenten (Bad A) getrennt habe von der Alkalie (Bad B), die den Entwickler aktiviert. Im Bad A belade ich die Emulsion mit Entwicklerchemikalien (Konzentration und Dauer beeinflusst im Wesentlichen die Schattenentwicklung) und erst in Bad B aktiviere ich im Wesentlichen den Entwickler (Konzentration und Bewegung beeinflusst die Lichterdeckelung).

Dadurch, dass ich Entwickler und "Starter" getrennt habe, kann in Bad B nur die Entwicklermenge verbraucht werden, welche in der Emulsion eingelagert ist. In den Lichtern (dichtere Negativstellen) ist der Entwickler schneller aufgebraucht, als in den Schatten. Die Schatten werden dadurch ausentwickelt und die Lichter gedeckelt.

Die Badzusammensetzung von Stöckler und Thornton (BTTB) sind in der folgenden Tabelle zusammen gefasst.
Ich habe letzteren noch modifiziert, insbesondere im Hinblick auf die Push-Entwicklung (BTTB mod)


Sämtliche Chemikalien können z.B. HIER bestellt werden.

Die Vorteile von Zweibad gegenüber Einbad sind:

  • Insbesondere in der Kleinbildfotografie aber auch im Mittelformat, wo man nicht einzelne Negative getrennt dem Szenenkontrast entsprechend belichten und entwickeln kann, liefert die Zweibadentwicklung für jedes Negativ quasi eine Entwicklungsautomatik. Weniger dichte Stellen werden ausentwickelt und dichte zurück gehalten. 
  • Man kann gezielter auf die Schatten (Bad A) und Lichter (Bad B) entwickeln 
  • Durch Trennung von Entwickler und Aktivator ist der Ansatz deutlich länger haltbar, als es Einbadentwickler sind. 
  • I.d.R. kann man alle ISO 100 Filme und alle ISO 400 Filme jeweils zusammen entwickeln. 100er ca. 4 Minuten in jedem Bad, 400er ca. 5 Minuten. 
  • Eine Überentwicklung in Bad B ist ausgeschlossen. Es kann nur der Entwickler verbraucht werden, der sich aus Bad A in der Emulsion befindet. 
  • Push-Entwicklung, ohne dass die Dichtekurve stark (oder überhaupt) ansteilt, ist möglich, was allerdings etwas von der Filmsorte abhängt (T-grain Filme steilen eher an, da sie sehr schnell "bauartbedingt" durchentwickeln). 

Thornton Zweibadentwickler BTTB-modifiziert

Der oben in der Tabelle aufgeführte Thornton Zweibadentwickler (BTTB) benutzt Metol als einzigen Entwickler. Die Ergebnisse sind sehr gut. Allerdings hat in jüngerer Zeit die Forschung auch Fortschritte gemacht und ich habe den BTTB deshalb modifiziert. Alles Weitere bezieht sich also diesen BTTBmod.

Im BTTBmod wurde die Hälfte des Metols gegen Vitamin C ausgetauscht. Vitamin C verhindert zusatzlich zum Natriumsulfit die Oxidation. Außerdem ergibt Vitamin C zusammen mit Metol eine sogenannte Superadditivität, d.h. die Summe beider Entwickler wirkt stärker, als man es von den Einzelkomponenten erwarten würde.

Zusätzlich habe ich noch 0,3 g/l Phendion zugesetzt. Phendion arbeitet in den Schatten und ist deshalb auch bei Push hilfreich, wie wir später noch sehen werden.

BTTBmod ansetzen
Das geht sehr einfach und schnell (auch nicht komplizierter, als XTOL-Pulver lösen).
Wir brauchen:
2 Glasflaschen à 1 Liter
Feinwaage
Chemikalien (siehe Link oben unter Tabelle)
Dest. Wasser (Bügelwasser, Autobatteriewasser)

Bad A: Die Entwicklerkomponenen



1 Liter dest. Wasser
3,25 g Metol
3,25 g Vitamin C
0,3 g Phenidon
80g Natriumsulfit

1 Liter Wasser von ~ 50°C vorlegen. Darin einen Teil (ca. 1/3) des Natriumsulfits vorlösen, bevor die Entwickler zugegeben werden - es soll die Oxidation der Entwickler verhindern. Sodann die Entwicklerkomponenten lösen und zum Schluss das restliche Natriumsulfit

Bad B: Der Aktivator


1 Liter dest. Wasser
10 g Natrium-Metaborat

Mit dem Natrium-Metaborat Konzentration kann man in einem gewissen Umfang noch eine Kontraststeuerung vornehmen.

7 g/Liter -> für extrem kontrastreiche Szenen
12 g/Liter -> für höheren Szenenkontrast
20 g/ Liter -> für normalen Szenenkontrast
Ich habe mein Bad B auf 10g/Liter abgestellt und komme damit gut zurecht.
Und nochmal zur Erinnerung: Für Niedrigkontrastszenen ist Zweibad nicht geeignet. Je höher der Kontrast, desto besser.

Haltbarkeit
Die so angesetzten Entwicklerkomponenten halten in verschlossenen Glasflaschen 1 bis 2 Jahre. Mit 2 x 1 Liter lassen sich 10 bis 15 Kleinbild- oder Mittelformatfilme entwickeln. Der Entwickler wird wiederverwendet. Er verfärbt sich zwar mit der Zeit, aber das tut seiner Wirksamkeit keinen Abbruch. Den Bodensatz einfach auf dem Boden lassen.

Es ist wichtig, dass nichts von dem Bad B ins Bad A gelangt!


Entwicklung mit dem BTTB-mod.
Mit Bad A wird die Emulsion mit Entwicklerkomponenten beladen. Deshalb NICHT vorwässern, denn das würde den Einbau dieser Komponenten behindern.
Zweibadentwicklung ist von Natur aus nicht so temperaturempfindlich, wie Einbadentwicklung; +/- 2°C spielt keine große Rolle. Dennoch empfiehlt es sich, sich an 20°C zu halten, auch um vergleichen zu können.

Einer der Vorteile ist, dass man alle Filme unterschiedlicher Marken mit Nennempfindlichkeit ASA 100 zusammen entwickeln kann. Ein guter Startwert ist 4:00 Minuten. Die 1. Minute Initilakipp und in der Restzeit jede weitere Minute 1x

Für ASA 400 Filme verlängert sich die Entwicklung um 1 Minute.

Über die Verweildauer in Bad A steuert man in erster Linie die Schattenentwicklung. Sollte diese unzureichend sein, kann man die Zeit verlängern.

Mit der "Betankung" in Bad A erreichen die Filme mindestens ihre Nennempfindlichkeit. Sogar Fomapan 200 und 400! Der Agfaphoto APX 100 erreicht ISO 160 und kann entsprechend belichtet werden.

Anschließend gießt man den Entwickler zurück und lässt die Dose gut abtropfen.

Sodann wird Bad B eingefüllt. Bad B triggert die eigentliche Entwicklung.

Die Verweildauer entspricht i.d.R. auch der von Bad A, also
100er Filme 4:00 Minuten
400er Filme 5:00 Minuten

Wichtig!
Zu Beginn wird nur 1x gekippt!
Damit sollen in erster Line Entwicklerreste von Bad A in den Spiralen entfernt werden, die sonst zu Abläufen im Negativ führen.
Kein längeres Initalkippen, denn das würde den Entwickler von Bad A aus der Emulsion waschen.

Dann jede weitere Minute ebenfalls 1x kippen.

Über die Konzentration an Natriummetaborat (s.o.) kann ich den Szenenkontrast ausgleichen, ist aber i.d.R. nicht notwendig.

Eine schwächere Lichterdeckelung bekomme ich auch über eine längere Verweildauer in Bad B. Keine Angst: Man kann nicht überentwickeln, denn der Entwicklervorrat in der Emulsion ist ja begrenzt.

Eine Abschwächung der Entwicklung kann durch eine kürzere Verweilzeit in Bad B oder einem 30 Sekunden Kippryhthmus (stärkeres Auswaschen Entwicklerkomponenten) erzielt werden.

Man hat also viele Finetuning-Möglichkeiten. Mit den oben angegebenen Zeiten bekommt man aber in der Regel direkt sehr gute Ergebnisse

Anschließend Bad B zurück gießen, Stoppbad, Fixierbad und wässern.

Sobald man den Negativstreifen in der Hand hält, stellt man fest, dass jedes einzelne Negativ sehr ausgeglichen entwickelt worden ist. Das Scannen oder Vergrößern damit ist ein Kinderspiel!

Die folgenden Bilder wurden bei unterschiedlichen Kontrastsituationen auf einen Film belichtet und im BTTBmod entwickelt. Man sieht die Gleichmäßigkeit der Entwicklung - quasi eine Entwicklungsautomatik - Negativ für Negativ. Eine sehr gute Lichterdeckelung und Schattenzeichnung bei hoher Feinkörnigkeit und Schärfe.


Agfaphoto APX 100 @ISO 160 entwickelt im Thornton Zweibad modifiziert (BTTBmod) 
Auch lassen sich sehr feine Strukturen sehr gut abbilden
Agfaphoto APX 100 @ISO 160
entwickelt im Thornton Zweibad modifiziert (BTTBmod) 
Hier einige weiter Bilder mit unterschiedlichen Filmen im BTTBmod
von Mia Hopfer, Österreich.

Agfaphoto APX 100







Fomapan 100








Ilford Pan F






Das folgende Bild von Gerhard Hauke, Österreich, zeigt die Feinkörnigkeit und Tonalität mit dem Agfaphoto APX 400 recht anschaulich.





Push-Entwicklung mit Zweibad

hohe ISO-Werte ohne Ansteilen

(folgt)






Mittwoch, 20. September 2017

DeFehr's 510-Pyro: Der Entwickler für hohe Schärfe und ultrafeines Korn


Agfaphoto APX100 @ISO50 in 510-Pyro 1+500 (N)

Es ist einer schlaflosen Nacht zu verdanken, dass ich zufällig diesen Entwickler von Jay DeFehr entdeckte. Pyro-Entwickler sind im Gegensatz zum angelsächsischen im  deutschsprachigen Raum kaum bekannt. Moersch Tanol ist einer dieser hier seltenen Vertreter.

Die Vorteile von Pyro-Entwicklern gegenüber Metol-Entwicklern:

  • Der bei der Entwicklung entstehende Stain (Farbstoff) zähmt die Lichter und macht es daher leichter, Abzüge zu fertigen.
  • Durch das Härten der Gelatine wird die Beweglichkeit des Entwicklers in dieser eingeschränkt, was zu mehr Schärfe führt und dies sogar bei kontinuierlicher Entwicklung (Rotationsentwicklung). Dazu muss der Entwickler als solcher nicht als Schärfeentwickler gekennzeichnet sein, er besitzt diese inherenten Schärfeeigenschaften durch die eingeschränkte Beweglichkeit des Entwicklers an den niedrig-hoch-Kontrastgrenzen.
  • Durch die automatische Härtung entsteht zusätzlich ein Schutz gegen Kratzer, was die Handhabung von Negativen erleichtert.
Diese drei Vorteile sind enorm und verhelfen den Pyro-Entwicklern zu einer Renaissance. Eine der ersten Personen, welche dieses getan hat, ist Gordon Hutchings 1991 mit seiner PMK Rezeptur - eine Mischung aus Metol und Pyrogallol im Verhältnis von 1:10. Für Rotationsentwicklung ist PMK nicht geeignet, da er zu schnell oxidiert, was zu einem ungleichmäßigen Stain führt. Sandy King fand eine Lösung, indem er statt Pyrogallol Brenzkatechin in seinem Pyrocat-HD einsetzte.  Dieser Pyro leistet gute Dienste. Bis heute...

Agfaphoto APX 100 in 510-Pyro 1+300 (N)

Die Vorteile von 510-Pyro darüber hinaus

510-Pyro ist ein Pyro der neuen Generation und baut auf der Idee von Patrick Grainer auf, der organische Lösungsmittel statt Wasser verwendete, um eine Stammlösung herzustellen.
Jay DeFehr

Jay DeFehr, der Erfinder von 510-Pyro, nahm diese Idee auf und kombinierte das Lösungsmittel Triethanolamin (TEA) mit Pyrogallol, Phenidon und Vitamin C.
Die "Hochzeit" dieser Zutaten zeigte sich als ideale Beziehung und ist unter den Entwicklern das "Sahnehäubchen" schlechthin, mit

          • ultrafeinem Korn,
          • höchster Schärfe,
          • homogener Einfärbung (Stain),
          • einer einzigen Stammlösung
          • und extremer Langzeitlagerfähigkeit.
          • Zudem für Rotations- und Kippentwicklung gleichermaßen geeignet und sehr kostengünstig


Agfaphoto APX100 @ISO320 in 510-Pyro 1+100 (N+3)
Pyrogallol alleine ergibt eher eine langsame und instabile Entwicklung mit nur moderater Korngröße, also für Kleinbildnegative nicht sonderlich geeignet. Dadurch, dass Jay DeFehr Phenidon und Vitamin C (Entwickler, welche eine Superadditivität untereinander besitzen) zugab, konnten die Nachteile beseitigt und die besonderen Eigenschaften erzielt werden. Somit ist es auch der KB-Fotografie möglich, zu hoher Schärfe und Auflösung zu kommen. Vitamin C reduziert zusätzlich noch die Oxidation in der Rotationsentwicklung und in der Push-Entwicklung, welche mehr Zeit benötigt.

510-Pyro wird in Verdünnungen von 1+100 (Normalentwicklung) bis 1+500 (Standentwicklung) eingesetzt.1+100 verwende ich bevorzugt bei Kontrastanpassungen von N+2...N+3, da hier die Zeiten sonst zu lang werden und bei Kipprhythmen von 10 Minuten.1+200 ...1+300 empfiehlt sich für Normal- oder Pull-Entwicklung sowie für schnellere Kipprhythmen.Für die Rotationsentwicklung sollte 1+100...1+200 als Verdünnung eingesetzt werden.Die Mindestmenge pro KB Film beträgt 1 ml des Konzentrates.

510-Pyro liefert nicht nur die Vorteile, dass die Lichter über den Stain-Farbstoff kontrolliert werden und dass das  Negativ einen "Antikratzschutz" durch die Härtung erfährt. Ein unmittelbar nach Beginn der Entwicklung einsetzender Oxidationsprozess lässt die Filmgelatine schrumpfen und verleiht ihr dadurch eine dreidimensionale Oberfläche. Im weiteren Verlauf verhärtet sich die Gelatine und bremst dadurch die Lichtempfindlichkeit in einem solchen Masse, dass das Negativ bereits nach Ablauf von ca. 70 % der Entwicklungszeit unter grünem Licht betrachtet und auf seinen Entwicklungszustand hin überprüft werden könnte(!). Darüber hinaus sorgt die verhärtete Gelatine für eine außergewöhnlich hohe Konturenschärfe. Pyrogallol wirkt daher nicht nur gut ausgleichend sondern schafft auch die Quadratur des Kreises (der Heilige Gral der Fotografie): Ultrafeines Korn bei gleichzeitig höchster Schärfe. Und dies speziell mit Fuji Acros und Kodak Tmax, aber nicht nur mit diesen.

Mit Pyrogallol  entwickelte Negative registrieren darüber hinaus in bisher unübertroffener Weise selbst subtilste Lichtunterschiede. Nebel, Gewitterstimmungen und ähnliche Aufnahmesituationen werden einzigartig nuanciert  herausgearbeitet
Es gibt noch einen Vorteil gegenüber PMK und Pyrocat-HD: Man muss vor Gebrauch keine Lösung A und Lösung B mischen. Dadurch, dass die Komponenten in Triethanolamin (TEA) gelöst sind, sind sie gegen Oxidation geschützt. Gleichzeitig ist TEA die für die Entwicklung benötigte organische Base. Aufgrund dieses  organischen Oxidationsschutzes wird auch kein Natriumsulfit, wie sonst in Entwicklern und anderen Pyros üblich, zur Konservierung benötigt. Natriumsulfit führt zu einer physikalischen Entwicklung, d.h. Auflösung und Wiederausscheidung des Silberkorns und damit zur Unschärfe (fein aber unscharf - das bisherige Dilemma).Der Entwickler hält sozusagen "ewig minus einen Tag", sofern er nicht mit Wasser in Berührung kommt (deshalb auch immer bei der Entnahme absolut trockene Spritzen verwenden!)

Agfaphoto APX100 @ISO320 in 510-Pyro 1+100 (N+3)

Zusammensetzung und Herstellung: 

Jay DeFehr hat 2013 die Zusammensetzung des 510-Pyro für eine verbesserte Schattenzeichnung und kürzere Entwicklungszeiten angepasst. Leider beziehen sich die meisten im Internet oder auf Apps verfügbaren Entwicklungszeiten auf die ältere Rezeptur. Im Weiteren bedienen wir uns der neuen Rezeptur, mit der ich diverse Filme eingemessen habe (s.u.). 

  • 100ml Triethanolamin
  • 10g Pyrogallol
  • 5g Vitamin C
  • 0,375g Phenidon  
Sämtliche Chemikalien bekommt man über Fototechnik Suvatlar,Hamburg. Vitamin C als Pulver in der Apotheke.
Insbesondere Pyrogallol ist gesundheitsschädlich und giftig. Wie stets bei dem Umgang mit Chemikalien: spezifische Warnhinweise beachten, persönliche Schutzausrüstung (Staubmaske, Handschuhe, Schutzbrille). Nicht in Bereichen arbeiten, wo Lebensmittel gelagert oder hergerichtet werden!
Eine  Mikrowelle hat sich als besonders geeignet zur Herstellung des 510-Pyro erwiesen. Es gibt ab 1€ gebrauchte Mikrowellen bei ebay & Co., so dass man nicht auf die Küchenmikrowelle zurückgreifen muss. 
Alternativ könnte man die Mischung auch in einem Wasserbad erwärmen, wovon ich aber abrate, da Triethanolamin stark wasseranziehend ist und durch geringste Spuren an Wasser die Haltbarkeit von 510-Pyro stark reduziert wird.
Aus praktischen/wirtschaftlichen Gründen setze ich immer die 4fache der oben angegebenen Menge an, auch weil es die teuerste Komponente Pyrogallol als 40g Gebinde bei Suvatlar gibt.

Wir benötigen: 

  • eine Feinwaage mit einer Genauigkeit von 0,01 g, die aber auch bis 500 g messen sollte (~10€). Ich habe z.B. seit Jahren diese hier.
  • eine Mikrowelle
  • ein Einmachglas zum Anmischen und Aufheizen in der Mikrowelle
  • mehrere Edelstahl- oder Kunststofflöffel zum Dosieren und Rühren
  • Thermometer
  • Handschuhe, da die Mischung auf bis zu 80°C aufgeheizt wird.
  • eine 0,5 Liter Braunglasflasche zum Aufbewahren des fertigen Entwicklers
  




Pyro-Entwickler färben sehr stark, deshalb ist neben der oben genannten Schutzausrüstung zusätzlich ein Kittel empfohlen. Frischen Entwickler auf Kleidung sofort mit saurem Reinigungsmittel (Zitronen-, Essigreiniger) auswaschen. Auf keinen Fall mit alkalischen Seifen, Waschmitteln, etc., denn dadurch wird der Entwickler aktiviert!


Ilford Delta 100 in 510-Pyro 1+100 (N)

Die Schritte sind:




  1. Vorgelegen des Triethanolamins (TEA) entsprechender Menge. Man kann volumetrisch abmessen oder einwiegen. 100ml entsprechen 113g.
  2. Abwiegen aller sonstigen chemischen Komponenten. Insbesondere das Phenidon muss sehr genau abgewogen werden!
  3. Einrühren der Komponenten in das kalte(!) TEA. So lange rühren, bis keine Klumpen mehr vorhanden sind. Besser länger rühren, denn das spart nachher beim Auflösen im warmen TEA Zeit. Das kalte TEA besitzt eine hohe, sirupartige Konsistenz. Dadurch sind die Scherkräfte beim Rühren höher und die Komponenten werden leichter dispergiert. Insbesondere das Vitamin C neigt im warmen TEA zur Verklumpung und löst sich dann schlecht.
  4. Erwärmen der Mischung in der Mikrowelle. Bitte nur stufenweise auf 70 - 80°C aufheizen. Nicht überhitzen! Temperatur zwischendurch kontrollieren!
  5. Glas aus der Mikrowelle nehmen und kontinuierlich rühren, auch an den Rändern, bis die Mischung auf ca. 60°C abgekühlt ist. Schritt 4. wiederholen, bis sich alles gelöst hat und die Lösung klar ist. Das ist der langwierigste Part und kann bis 30 Minuten dauern und 3-5 Aufheizzyklen benötigen.
  6. Nach dem Abkühlen, den Entwickler in die Braunglasflasche füllen, über Nacht ruhen lassen

Entwickeln mit 510-Pyro

Zunächst ein paar wichtige Hinweise:

  • Nach der Entwicklung darf kein Stoppbad eingesetzt werden, denn die Säure löst den durch die Entwicklung erzeugten und gewollten Stain/Farbstoff heraus. Die Entwicklung wird daher durch 2-3 maliges Wässern unterbrochen.
  • Es dürfen auch keine üblichen, sauren Fixierer (z.B. Adofix) verwendet werden, sondern nur neutrale (z.B. Rollei RXN) oder basische/alkalische (z.B. Moersch ATS) Fixierer zum Einsatz kommen.
  • Der Entwickler sollte in demineralisiertem Wasser (Bügelwasser) angesetzt werden. Kalk im Wasser reduziert die Filmempfindlichkeit!
  • Zum Dosieren unbedingt (trockene!!) 1ml Spritzen verwenden, da die Dosierung genau erfolgen muss. Erwärmen des Entwicklers auf 30-40 °C in der Mikrowelle (Kunststoffkappe abschrauben!) erleichtert die Dosierung, da dünnflüssiger.
    Ich bin zur gravimetrischen Dosierung übergegangen. 1ml entspricht 1,22g an 510-Pyro.
  • Der Entwicklersirup ist schwerer als Wasser. Deshalb sehr gut umrühren und mit dem Rührstab/Löffel auch an den Gefässrändern und dem Boden entlang fahren.
  • Insbesondere bei hoher Verdünnung unmittelbar mit der Entwicklung beginnen.


Kodak Tmax400 @ ISO1250 in 510-Pyro 1+100 (N+3)
Die Filme:

Beispielsweise der Agfaphoto APX100 läuft im 510-Pyro zu Hochform auf.
Hier die Scans von Abzügen: 

Oberes Bild Vergrößerung 4,3 fach, also 10,3 x 15,5 cm
Unterer Ausschnitt Vergrößerung 16 fach, also 38,4 x 57,6 cm


Agfaphoto APX100 @ISO50 entwickelt in 510-Pyro
Vergrösserung oben 4,3-fach, Vergrößerung unter 16-fach

Selbst wenn man sich die Vergrößerung eines KLEINBILDFILMS nochmal mit einer 10fach Lupe anschaut, was einem Bild von 3,8 x 5,7 m (!) entsprechen würde, kommt man eher an die Auflösungsgrenze der Optik, als dass man deutlich Korn wahrnimmt.

Agfaphoto APX100 @ISO50 entw. in 510-Pyro
Vergrößerung Abzug + Lupe 160-fach

Der 510-Pyro ist für feines Korn konzipiert und deshalb für 400er Filme mit normalem Korn nicht (z.B. Bergger Pancro 400) oder nur bedingt (z.B. Ilford HP5+, Agfaphoto APX 400, Tri-X 400) geeignet. 
Sehr gut lassen sich hingegen die Flachkristaller Kodak Tmax400 oder Ilford Delta400 entwickeln.
Da das Einmessen von Filmen mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden ist, habe ich 510-Pyro in der Konzentration 1+100 verwendet und nach einer Minute Initalkippen über die Restzeit mit 1x alle 10 Minuten gekippt. Alle Zeiten wurden auf 20°C normiert.

Bei N+/- handelt es sich um die klassische Kontrastanpassung, nicht um Push/Pull. Das bedeutet, dass ich pro N eine Tonwertspreizung (N+)  oder Tonwertkompression (N-) von jeweils 1 Blende bekomme. Bei Push/Pull wären es 2 Blenden. Aus diesem Grund sind auch die ISO-Korrekturen hier nicht so hoch.




Entwicklungdaten für den Tmax 100 gibt es hier.


Für folgende Filme liegen zur N-Entwicklung nur Einzeldaten bei 20°C vor:


Rollei RPX 25:

510-Pyro 1+150, Gesamt 8:45. 1. Minute initial, Restzeit je 1x pro Minute

Ilford HP5+:
510-Pyro 1+100, Gesamt 17:00. 
1. Minute initial, Restzeit je 1x pro Minute

Tmax P3200:
Hier bitte die höheren Konzentrationen und Temperaturen beachten!

Entwicklung, wie gehabt, im 10 Minuten Kipprhythmus, davon die 1. Minute kontinuierlich

Tmax P3200 @ ISO 800 (geringes Korn)
510-Pyro 1+50 @ 20°C , insgesamt 19:46 Minuten

Tmax P3200 @ ISO 3200 (mittleres Korn)
510-Pyro 1+50 @ 29°C, insgesamt 53:15 Minuten

Tmax P3200 @ ISO 6400 (gröberes Korn, aber volle Tonalität)
510-Pyro 1+25 @ 29°C, insgesamt 47:15 Minuten



Wie rechne ich die Zeiten für andere Verdünnungen um?
Dazu werden die 1+100 Zeiten entsprechend mit dem Verdünnungsfaktor multipliziert. Also bei 1+200 Verdünnung 2x länger, bei 1+300 Verdünnung 3x länger,....
Wie sind die Entwicklungszeiten bei anderen Kipprhythmen oder bei Rotationsentwicklung?
Der hier gewählte 10 Minuten-Kipprhythmus ist auch ein Kompromiss für den Einfluss unterschiedlicher Dosen und Dosenbeladung.
Gemessene Zeiten für andere Kipprhythmen oder die Rotationsentwicklung liegen (noch) nicht vor.  Als grober Anhalt kann nach der 1. Minute Initalkippen der Verkürzungs-/Verlängerungsfaktor von anderen Entwicklern, ausgehend von 10-Minuten Kipp dienen.
Ändert sich die Form der Dichtekurve bei anderen Kippryhthmen oder Verdünnungen?
Nein. Das ist einer der Vorteile von 510-Pyro, dass die Kurvencharakteristik konstant bleibt. Die Entwicklungszeiten müssen natürlich entsprechend angepasst werden.
Bei höheren Verdünnungen 1+300...1+500 kann es zu einer vorzeitigen Erschöpfung des Entwicklers aufgrund von Luftoxydation kommen, was zu einer Abflachung der Dichtekurve und damit zu einer verstärkten Lichterdeckelung führt, die ggf. auch gewünscht ist (Ausgleichsentwickler). Den Grad der Oxydation erkennt man an der Schwarzfärbung des Entwicklers.
Sollte man vorwässern?
Nach Belieben. Ich persönlich habe keine Unterschiede bei einer Verdünnung 1+100 festgestellt. Bei höheren Verdünnungen kann es ratsam sein.
Kann ich mehrere Filme gleichzeitig entwickeln und gibt es eine Mindestmenge an 510-Pyro für die Entwicklung?
Ja, 1ml pro KB-Film.
Wie ändern sich die Entwicklungszeiten für andere Temperaturen?
Genau so, wie auch für andere Entwickler gemäß der Ilford-Tabelle.


Quelle: Dr. Otto Beyer

Ilford HP5+ 400 in 510-Pyro (N)
Das obige Bild zeigt einen 400er, nämlich den Ilford HP5+, welcher bei Nennempfindlichkeit sehr gute Ergebnisse abliefert. Von den "Normalkristallern" ist der HP5 eher noch geeignet, allerdings nicht mehr für N+, denn dann verliert er deutlich an Schärfe.

Spielt die Dosenbeladung, das Filmformat eine Rolle?


Pushen

Optimal zum Pushen sind ausschließlich die Flachkristaller Tmax 400 bis ~ ISO 3200 und der Ilford Delta 400 bis ~ ISO 1600.
Der neue Tmax P3200 ist auch geeignet. Er hat allerdings eine Nennempfindlichkeit von ISO 800 (lt. Kodak) und sollte deshalb nur bis ISO 3200 gepusht werden.  ISO 6400 ist auch möglich bei noch großem Tonwertumfang, ggf. darüber hinaus, wird aber im KB-Format dann schon recht körnig.

Kodak Tmax 3200 neu @ ISO 800 (N), entw. in 510-Pyro
Die Aufnahme wurde für eine bessere Zeichnung mit einem Blaufilter gemacht.


Pushen von T-max 400 in 510-Pyro


Der T-Max 400 zeigt bei der Kontrastanpassung ein absolut lineares Verhalten hinsichtlich der Verlängerungszeiten wie kein anderer Film. Bei allen anderen Filmen geht mit steigender ISO der Verlängerungsfaktor gegen unendlich.
Das kann dazu verwendet werden, über die ISO 1250 hinaus zu gehen, die ich zum Einmessen verwendet habe.
Der Verlängerungsfaktor lässt sich einfach nach der Formel (N=1) in der Grafik berechnen.
Die Grundentwicklungsdaten sind hier in der Gruppe (Dateien) hinterlegt.
Beispiel: 510-Pyro 1+100 @ 20°C, 10 Minuten Kipprhythmus: 30:45 Minuten.
Ziel: ISO 1600.
Verlängerungsfaktor aus der Formel: 2,9!
Entwicklungszeit also 89:15 Minuten.
1. Statt 10 Min. Kipp nun 1 Min. Kipp (Faktor 0,57) -> 50:45 Minuten.
2. Statt 510-Pyro 1+100 nun 1+25 (Faktor 0,25) -> 12:45 Minuten
(Bei 1+25 und 250 ml Entwickler sind das 2,40€ Entwicklerkosten. Man kann aber sicher 3 Filme nacheinander darin entwickeln. Es ist genug "Dampf" drin. Allerdings nur so lange lagern, wie er nicht oxidiert, d.h. schwarz wird)
3. Statt 20°C nun 24°C -> 8:45 Minuten
(Im Bereich um 10 Minuten hält eine Dose gut die Temperatur von 24°C (mit 24,5-25°C vorwässern))


Pushen von Ilford Delta 400 in 510-Pyro

Der Delta 400 zeigt ein nicht so ausgeprägtes lineares Verhalten, wie der Tmax 400. Die Zeiten nehmen mit höherer ISO stärker zu. Deshalb sollte man sich auf ~ ISO 1600 beschränken.


Lichterdeckelung/Ausgleichentwicklung


Wie man an dem Bild unten erkennt deckelt der 510-Pyro in der Verdünnung 1+100 die  Lichter recht gut bei dem Agfaphoto APX 100, aber auch bei dem Rollei RPX 25.


Rollei RPX25 in 510 Pyro 1+150 (N)
Agfaphoto APX 100 @ISO320 in 510-Pyro (N+3)
Dieses Bild zeigt trotz N+3-Entwicklung die sehr gute Lichterdeckelung

Bei den meisten Filmen verläuft die Dichtekurve allerdings linear, wie z.B. bei dem Ilford FP4+

Um hier zu einer Lichterdeckelung zu kommen kann man sich der Zweibadmethode bedienen.

510-Pyro Zweibad

Zweibadmethoden beruhen im u.a. darauf, dass man die Emulsion zunächst mit dem Entwickler aufläd (Bad A) und zunächst die Entwicklung der Schatten und unteren Mitteltöne erfolgt. Bevor nun die Lichter zu dicht werden wechselt man in ein alkalisches Milieu (Bad B).

Im alkalischen Milieu wird der noch in der Emulsion vorhandene Entwickler aufgebraucht, reicht aber nicht mehr, um die Lichter voll durch zu entwickeln.

Die Zweibadentwicklung erlaubt es somit Schatten und Lichter getrennt (!) zu entwickeln.

Hier hat man ein breites Experimentierfeld.

Ich möchte dies nun einmal am Ilford FP4 verdeutlichen:

Wie halten uns an die Entwicklungzeit für das Einbad und teilen dies auf

Ilford FP4+ @ISO 125 (N) in 510-Pyro 1+100
Kipprythmus 10 Minuten, davon die 1. Minute Initialkipp würde eine Gesamtentwicklungszeit von ~20:30 Minuten ergeben.

Dies teilen wir wie folgt zu jeweils 50% der Zeit auf:

Bad A: 510-Pyro 1+100  10:15 Minuten mit 1. Minute Initialkipp


danach Bad A vollständig ausgießen und Bad B eingießen. Nicht zwischenwässern! Keine Initialbewegung bei Bad B! 
(Bei Initialkipp würde der Entwickler von Bad A aus der Emulsion ausgewaschen) 

Bad B: TEA (Trieethanolamin), d.h. nur die alkalische Lösungsmittelkomponente von 510-Pyro, ohne Entwickler auch in der Verdünnung 1+100.
Ebenfalls 10:15 Minuten, jedoch dieses Bad ohne 10 Minuten Kipprhythmus, nur 1x zu Halbzeit zwecks Vergleichmäßigung kippen, d.h. nach ca. 5 Minuten.

Danach stoppen (mit Wasser) und alkalisch/neutral fixieren.

Wie man an der Dichtekurve erkennt, flacht diese ab etwa Zone V ab, es erfolgt eine Lichterdeckelung. Durch verkürzen von Bad B kann man diese ggf. noch verstärken. Die Schattenzeichnung ist voll vorhanden!

Ilford FP4+ @ISO125   Zweibad 510-Pyro/TEA


Ilford FP4+ @ISO125   Zweibad 510-Pyro/TEA
Ilford FP4+ @ISO125   Zweibad 510-Pyro/TEA
Ilford FP4+ @ISO125   Zweibad 510-Pyro/TEA


Weblinks

Weitere Bilder und Informationen gibt es in Jay DeFehr's 510-Pyro Gruppe

Mittwoch, 3. Mai 2017

INTO THE LIGHT - mit Rollei RHC Entwickler




Canon EOS 3 mit Yashica 28mm 2.8 und Gelbfilter.
Kentmere 400, entwickelt in Rollei RHC


Eigentlich....

....hatte ich mir den Rollei RHC als Tiefenentwickler für Fotopapiere besorgt. Er ist aber auch für die Entwicklung von Mikro- und Reprofilmen konzipiert.

Was lag da näher, als ihn auch mal an einem "normalen" Film auszutesten?!

Man sollte  die Dichten eines Negativs zwischen ~ 0,1 (Zone I) und ~1,29 (Zone VIII) halten, um alle Tonwerte vom Negativ auf das Papier (oder den Monitor) zu bringen, wobei der Dichteverlauf idealerweise zwischen Zone III und Zone VII linear ist, da dort volle Zeichnung vorliegt.

Wenn man aber z.B. Wald fotografiert, fehlen oftmals die Kontraste und die Bilder wirken grau in grau. Um hier Abhilfe zu schaffen, habe ich den Hochkontrastentwickler Rollei RHC ausprobiert.

Dieser sorgt dafür, dass der Dichteverlauf des Negativs bis etwa Zone VI linear verläuft, aber dann stark aufsteilt, so dass alles über Zone VI ins Licht geht.

Damit kann man Objekte gegen Licht schön freistellen. Auch ermöglicht er es, bewusst eine Grenzlinie im Bild anzumessen und als Zone VI zu definieren. Alles darunter wird normal abgebildet, alles darüber strahlend weiß.



Bei Sonnenschein wurde der blaue Nordhimmel (Zone V) angemessen.
Alle Tonwerte liegen im normalen Bereich.
Der Kiosk strahlt durch den Anstieg der Dichtekurve ab Zone VI heraus
Canon EOS 3 mit Yashica 28mm 2.8 und Gelbfilter
Kentmere 400 entwickelt in Rollei RHC 1+14, 8:30 Minuten, 1. Minute Dauerkipp, Rest 1x pro Minute


Bei den Heimstudioaufnahmen unter dem Projektthema
GESICHT - HAND - PASSION
sollte die Passion durch Leuchtkraft hervorgehoben werden. In diesem Fall der Deckel der Jobo-Dose. 




Canon EOS 3 mit Yashica 28mm 2.8 und Blaufilter für dunklere Hauttöne (sorry für die Hautflecken - meine Pigmentstörung)
Kentmere 400 entwickelt in Rollei RHC 1+14, 8:30 Minuten, 1. Minute Dauerkipp, Rest1x pro Minute

Man kann also bewusst Akzente in Weiss setzen, ohne Abwedeln zu müssen, was bei komplexen Strukturen von Vorteil ist. 

Zweibad-Entwicklung mit Rollei RHC

Es gibt sehr gute Entwickler (z.B. Caffenol), die sich nicht für Pushen eignen. Hier kann RHC in den Schatten helfen und zwar bis max. N+3. Dabei ist darauf zu achten, dass mit dem Zweitentwickler Caffenol nicht zu lange entwickelt wird, so dass kein Sprung in der Dichtekurve um die Zone III erfolgt. Man muss dabei also mit Caffenol eher etwas knapper entwickeln, als bspw. die App "Film-Entwicklung" für N+2 oder N+3 vorgibt.

Hier einige Beispiele für N+3, wo bei Caffenol alleine die Schatten nicht mehr gezeichnet würden.



Canon EOS 3 mit Yashica 28mm 2.8 und Gelbfilter
Kentmere 400 @ 3200
1. Bad: Rollei RHC 1+14, 3 Min @ 20°C, 20 Sekunden Dauerkippen, Rest Stand
dann OHNE Zwischenwässerung
2. Bad: Caffenol C-M, 19:00 (statt 21:30 bei N+3) Minuten, 1. Minute Dauerkippen, Rest 1x pro Minute
Nur mit Caffenol N+3 und Kentmere 400 @3200 wären die Schatten im Gegenlicht vor dem Baum schwarz. Mit RHC-Vorentwicklung sind jetzt die Details erhalten geblieben.

Auch in Kombination mit dem Silvermax-Entwickler als Zweitbad lässt sich nach dem RHC Erstbad bei N+3 eine Zeichnung in den Schatten gut darstellen.


Canon EOS 3 mit Yashica 28mm 2.8 und Gelbfilter
Kentmere 400 @ 3200
1. Bad: Rollei RHC 3 Min @ 20°C, 20 Sekunden Dauerkippen, Rest Stand
dann OHNE Zwischenwässerung
2. Bad: Silvermax Entwickler 1+19 20:30 Minuten, 30  Sekunden Dauerkippen, Rest 1x alle 30 Sekunden

Hier wurden die Zonen ausgemessen. Belichtung auf Zone V (Z V).
Ohne die Vorentwicklung mit dem RHC wäre die Terrasse unter dem Tisch, d.h. kleiner Zone IV, schwarz.
Der Silvermax Entwickler hingegen sorgt zusaätzlich für eine gute Lichterdeckelung über Zone VII hinaus.

Der Schnabel des Blechvogels hatte die Sonne voll reflektiert.
Angemessen wurde in den Schatten des Baumes unter dem Vogelschwanz (Zone IV).

Entwicklungszeiten

- RHC als Einbad

Rollei gibt keine Entwicklungsdaten für Filme an.
Hier kommt und die Entwicklungstabelle vom Spürsinn HCD 3. Generation zu Gute. Die Daten für den Entwickler HCD 50 können 1:1 auch für den Rollei RHC übernommen werden. Aus den umfangreichen filmspezifischen Entwicklungszeiten bitte nur die des HCD 50 (!!) verwenden.


- RHC als Erstentwickler im Zweibad

Hier soll der RHC nur die Schatten, also Zone I und Zone II ausentwickeln. Dafür reicht i.d.R. 1/3 der als Einbad notwendigen Entwicklungszeit. Ich habe 3 Minuten angesetzt, wobei nur die ersten 30 Sekunden gekippt wird und der Rest als Standentwicklung, damit die Mitteltöne möglichst wenig anentwickelt werden.